Verhältnismäßige Mietpreise im europäischen Vergleich

Letzte Woche hat Senatorin Katrin Lompscher (Die Linke) im Senat für Stadtentwicklung und Wohnen vorgeschlagen, die Mieten der Hauptstadt auf weniger als 8€ pro Quadratmeter zu deckeln – unabhängig von der Lage oder der Qualität der Wohnung.

Nachdem der Berliner Senat (SPD, Grüne und Die Linke) sich bereits im Juni diesen Jahres darauf verständigt hatte, die Mieten der Hauptstadt für fünf Jahre auf dem jetzigen Level einzufrieren, ist dies der nächste Versuch den freien Markt zu regulieren.

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Der Senat wird am 15. Oktober abstimmen, ob der Mietdeckel ab Januar 2020 in Kraft tritt.

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Lieber Senat,

folgendes wird passieren, wenn Sie für den Mietdeckel stimmen:

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Die Mieten sind in den letzten Jahren so stark gestiegen, weil das Angebot an Wohnraum im Vergleich zur Nachfrage von Wohnraum zu niedrig ist. Das gleiche Phänomen lässt sich auch in anderen Großstädten Deutschlands feststellen. Auch ich – als Mieter in München, der mehr als doppelt soviel wie 8€ pro Quadratmeter zahlt – bin davon betroffen.

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Wenn Sie Menschen nicht verbieten wollen in Städte zu ziehen, ist die einzige Lösung das Angebot an Wohnraum zu erhöhen. Glauben Sie ernsthaft, dass Regulierungen wie diese in der privaten Wirtschaft Anreize schaffen neue Wohnungen zu bauen?

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Ganz im Gegenteil. Das Investment der Vermieter wird sich mit Ihrem vorgeschlagenen Mietdeckel langsamer – oder überhaupt nicht mehr – amortisieren. Folglich wird noch weniger Wohnraum gebaut. Folglich wird das Spannungsverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage noch größer. Folglich steigen die Mieten noch mehr. Renoviert werden wird auch weniger, da die Qualität der Wohnung sich nicht mehr in der Miete wiederspiegeln darf, d.h. die sowieso schon zu wenigen Wohnungen verlieren stetig an Qualität.

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Ihre Intentionen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen sind ehrenwert. Sie schaden aber leider genau den Menschen, denen Sie helfen möchten.

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Was ist die Grundlage für Ihren Mietdeckel?

Sie sehen in der Grafik die der UBS via Statista veröffentlichte durchschnittliche Miete (USD) in Europa. Diese durchschnittliche Miete wurde in blau mit dem durchschnittlichen Netto-Einkommen (USD) des jeweiligen Landes ins Verhältnis gesetzt. In rot wurde die durchschnittliche Miete mit der Kaufkraftparität (USD) des jeweiligen Landes ins Verhältnis gesetzt.

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Argumentationen, die sich darauf stützen 1€ in Deutschland mit 1€ in Griechenland nominal zu vergleichen, sind keine Grundlage. Daher wurde in der Berechnung das durchschnittliche Netto-Einkommen bzw. die Kaufkraftparität des jeweiligen Landes gewählt.

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Deutschland liegt auf dem 27. von 31 Plätzen in Europa. Im Durchschnitt geben wir 50% unseres Netto-Einkommens für die Miete aus (beides in USD).

Warum werden unsere Steuern dafür verwendet sich Regularien auszudenken, wenn wir auf dem fünft-besten Platz in Europa liegen?

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Anmerkung: Werte über 100% spiegeln wieder, dass die Schere im Netto-Einkommen in diesem Land besonders groß ist und die UBS sich auf Miete in größeren Städten bezieht.

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Liebe Katrin Lompscher, Lieber Michael Müller,

Hiermit lade ich Sie zu einer meiner VWL-Vorlesungen nach München ein. Dort lernen meine Studenten das grundlegende Gesetz von Angebot & Nachfrage kennen.

Wenn Sie dieses Gesetz verstehen lernen, treffen Sie hoffentlich die richtige Entscheidung am 15. Oktober.

AB

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Abschließend: Die komplette Excel-Datei mit all meinen Berechnungen ist auf meiner Webseite unter https://www.axel-brueckner.de/verhaltnismassige-mietpreise-im-europaischen-vergleich/ zu finden. Falls jemand meine Empirik und/oder Kalkulation kritisieren möchte, ist er/sie herzlich eingeladen.

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